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Lässt sich der Mensch verbessern? Transhumanismus, Enhancement und das menschliche Glück (02/2023)

Zusammenfassung
Der Beitrag unternimmt eine Kritik gegenwärtig vertretener transhumanistischer Positionen in zwei Schritten: 1) Die Forderung nach einer grundlegenden Verbesserung der menschlichen Natur trifft auf typische Optimierungskonflikte: Jede vermeintliche Verbesserung bringt nämlich die evolutionär herausgebildeten Proportionen der menschlichen Vermögen aus dem Gleichgewicht, wie an verschiedenen Beispielen des Enhancement gezeigt wird. 2) Die Idee einer Neugestaltung der biologischen Natur des Menschen ist aber auch grundsätzlich selbstwidersprüchlich. Denn die Vorstellungen vom Guten oder „Optimalen“, dem diese Umgestaltung letztlich dienen soll, sind ohne die verkörperte Naturbasis nicht mehr sinnvoll formulierbar.
Schlüsselwörter: Transhumanismus, Enhancement, Optimierung, Kognition
Abstract
The article undertakes a critique of currently held transhumanist positions by making two points: (1) The demand for a fundamental improvement of human nature encounters typical optimization conflicts – namely, that every supposed improvement unbalances the evolutionarily formed proportions of human capabilities (as is shown through various examples of human enhancements). (2) The idea of a redesigning the biological nature of human beings is also fundamentally self-contradictory, for the idea of what is good or “optimal” – which such reshaping is ultimately supposed to serve – can no longer be meaningfully formulated without the embodied basis of nature.
Keywords: transhumanism, enhancement, optimization, cognition
„Es ist uns ja sogar lästig, Mensch zu sein – ein Mensch mit wirklichem, eigenem Fleisch und Blut; wir schämen uns dessen, halten es für eine Schmach und trachten lieber danach, irgendwelche phänomenalen Allgemeinmenschen zu sein. […] Bald werden wir so weit sein, dass wir von einer Idee gezeugt werden.“[1]
F. M. Dostojewski
Einleitung[2]
Dostojewskis Zitat wirkt prophetisch: ein gewöhnlicher Mensch aus Fleisch und Blut zu sein, wird heute immer mehr zu einem Makel. Angesichts unserer Maschinen beginnen wir uns unserer eigenen Unvollkommenheit zu schämen. Es scheint sich eine grundsätzliche Transformation des bisherigen Menschenbildes anzukündigen, charakterisiert durch folgende Merkmale:
- Die Evolution gilt als ein Prozess fortschreitender Entwicklung des Lebens, doch ihr Resultat ist letzlich zufällig. Niemand hat uns so gewollt. Die menschliche Natur kann daher nicht mehr als vorgegebene Konstante betrachtet werden. Sie ist veränderbar und unserer Selbstgestaltung zugänglich.
- Der Mensch in seinem gegenwärtigen Entwicklungsstand wird als grundlegend unvollkommen angesehen. Das Resultat der Evolution ist nur ein blindwüchsig entstandenes, fehlerhaftes Produkt. Unsere Wahrnehmung ist anfällig für alle Arten von Täuschungen und Illusionen, unser Denken zumeist einseitig und von Vorurteilen verzerrt. Unsere Erinnerungen sind unzuverlässig, unsere Entscheidungen in hohem Maß irrational. Vor allem aber sind unsere Körper fragil, dem Altern unterworfen und hinfällig; die Sterblichkeit ist die größte Zumutung, die die Natur für uns bereithält. Die menschliche Natur ist daher nicht nur veränderbar, sondern auch in jeder Hinsicht optimierungsbedürftig. Wir sollten selbst die Verantwortung für unsere weitere Entwicklung übernehmen, statt sie wie bisher einer blinden Evolution zu überlassen.
- Die körperliche Existenz wird nicht mehr in erster Linie als Ermöglichung des Lebensvollzugs betrachtet, sondern zunehmend als Einschränkung der persönlichen Freiheit. Es erscheint immer weniger akzeptabel, von körperlichen Vorbedingungen oder Prozessen abhängig zu sein. Propagiert werden verschiedenste Formen der Aufrüstung und Optimierung des Körpers bis hin zur gentechnologischen oder neurobiologischen Umgestaltung der menschlichen Natur.
Solche Ideen finden seit zwei bis drei Jahrzehnten unter dem Begriff des Transhumanismus zunehmende Verbreitung. Transhumanisten sehen in Bio-, Nano- und Computertechnologien die Möglichkeit, die mangelhafte menschliche Natur zu optimieren. Jeder Mensch soll das Recht erhalten, seine psychischen und physischen Möglichkeiten, sein Geschlecht, sein Aussehen oder seine Intelligenz nach Wunsch bestimmen und erweitern zu können.[3] Verschiedenste pharmakologische, genetische oder digitale Techniken des sog. ‘Enhancement’ könnten nach und nach zu einem „Homo optimus“ führen, wie ihn der Oxforder Futurologe Ian Pearson anpreist:
„Mit optimierten Genomen und durch Technologie verbesserten Körpern könnten die Menschen schöner sein … intelligenter, physisch begabter, sozial verbundener, allgemein gesünder und rundum glücklicher.“[4] (Pearson 2016).
Eine solche Entwicklung würde, so der Oxforder Transhumanist Nick Bostrom, letztlich über den gegenwärtigen Menschen hinausführen und
„… uns oder unsere Nachkommen zu ‚posthumanen‘ Wesen machen, die eine unbegrenzte Gesundheit und viel größere intellektuelle Fähigkeiten hätten als jeder derzeitige Mensch, vielleicht ganz neue Sinnesensibilitäten ebenso wie die Fähigkeit, ihre eigenen Emotionen zu kontrollieren“[5].
Auf einer weiteren Stufe prognostizieren Transhumanisten wie Ray Kurzweil und andere die Verschmelzung von Mensch und Maschine: Cyborgs könnten die nächste Stufe der Evolution bilden und uns zu heute noch unvorstellbaren Gipfeln von Intelligenz und Lebenserwartung führen. Solche Visionen reichen bis zu der Vorstellung, den eigenen Geist in Form von reiner Information auf andere Substrate zu übertragen (“mind uploading”). Wir könnten unsere Gehirne an Computer anschließen, unseren alternden Körper aus Haut und Knochen gänzlich loswerden und schließlich digitale Unsterblichkeit erlangen:
„Bis heute ist unsere Sterblichkeit an die Lebensdauer unserer Hardware gebunden. Wenn die Hardware am Ende ist, sind wir es auch. […] Sobald wir jedoch den Sprung wagen und uns selbst in unserer Computertechnik realisieren, wird unsere Identität auf einer sich stetig fortentwickelnden Bewusstseinsdatei basieren. Wir werden dann keine Hardware mehr sein, sondern Software“[6].
Nun ist das Mind Uploading, die digitale Unsterblichkeit, sicher eine unsinnige Idee, denn das Bewusstsein ist keine Software im Gehirn, sondern es ist leiblich oder verkörpert, wie uns schon jeder Hunger oder Schmerz belehrt, d. h. es ist unabdingbar gebunden an einen lebendigen Organismus.[7] Aber wie steht es mit den Möglichkeiten der Optimierung dieses Organismus, der Verbesserung der menschlichen Natur? Sollten wir diesen Weg einschlagen?
Nimmt man diese Natur nicht mehr als gottgegeben, so genügt die bloße Tatsache, dass der Verlauf der Evolution sie hervorgebracht hat, jedenfalls nicht mehr zu ihrer ethischen Rechtfertigung. Ein solcher Versuch würde dem bekannten „naturalistischen Fehlschluss“ unterliegen, nämlich von einem So-Sein auf ein So-sein-Sollen zu schließen. Wer kann es also dem Menschen verwehren, den Weg eines transhumanen Fortschritts einzuschlagen, der uns Heutige aus der Zukunft eines neuen Menschen nur noch als ferne Vorfahren erscheinen lassen wird, nicht anders als wir heute eher amüsiert auf den Homo erectus oder den Australopithecus zurückblicken?
Sobald der Gedanke einer göttlichen Schöpfungsordnung seine allgemeine Gültigkeit verloren hat, steht die Unveränderlichkeit der menschlichen Natur offenbar in Frage. Es gilt, die Frage auf andere Weise zu beantworten. Die Verteidigung der menschlichen Natur, die ich im Folgenden unternehme, beruht im Wesentlichen auf zwei Argumenten:
1. Ist die menschliche Natur denn überhaupt verbesserungsfähig? – Diese Frage mag überraschend anmuten, so unvollkommen und in physischer, kognitiver, emotionaler oder moralischer Hinsicht mängelbehaftet erscheint die Konstitution von Homo sapiens. Doch bei näherem Hinsehen wird sich zeigen, dass es sich so einfach nicht verhält. Jede vermeintliche Verbesserung stört nämlich die Proportionen der menschlichen Vermögen. Anders gesagt: Verbesserungen hätten ihren Preis, den man zu zahlen bereit sein müsste – und er ist größer, als es auf den ersten Blick erscheint.
2. In seiner revolutionären Variante, das heißt der grundlegenden technischen Umformung des Körpers, wird der Transhumanismus zum Posthumanismus und damit selbstwidersprüchlich: Er hebt nämlich die Basis auf, von der aus diese Selbstumgestaltung überhaupt sinnvoll erscheinen könnte. Denn die Vorstellungen vom Guten, dem alles ‘Enhancement’ oder Engineering der menschlichen Natur doch letztlich dienen soll, sind selbst noch an die Naturbasis von Homo sapiens gebunden. „Jenseits des Menschen“ kann gar kein sinnvolles Ziel unseres Strebens liegen – es sei denn, es ginge nur um das Ziel, den gegenwärtigen Menschen abzuschaffen.
1. Ist die menschliche Natur verbesserungsfähig?
Beginnen wir mit der Frage, ob sich die menschliche Natur durch genetische, neurotechnische oder andere Eingriffe denn grundlegend verbessern ließe.[8] Dabei will ich alle vorübergehenden Eingriffe etwa durch Stimmungsaufheller, kognitive Enhancer, Psychostimulantien oder direkte Gehirnstimulation hier einmal außer Acht lassen. Sie unterliegen zwar ebenfalls einer ethischen Bewertung, diese ist aber nicht von grundlegender, also anthropologischer Natur. Sie wird sich vor allem an jeweiligen Nebenwirkungen oder sozialen Folgewirkungen orientieren müssen – zum Beispiel an der abzusehenden Ungleichverteilung der notwendigen Ressourcen, einem möglichen „Steigerungswettlauf“, etc. Ich betrachte aber im Folgenden nur dauerhafte, d. h. gentechnologische und vergleichbare Eingriffe in die Natur des Menschen, die zu einer Verbesserung und Steigerung seiner Fähigkeiten führen sollen. Gäbe es denn, zumindest der Möglichkeit nach, eine bessere Ausgabe von Homo sapiens – einen biotechnisch revolutionierten „Homo optimus“?
Diese Idee der Optimierung ist, so werde ich im Folgenden zeigen, selbstwidersprüchlich. Nur auf den ersten Blick kann es den Anschein haben, als ließen sich menschliche Funktionen und Fähigkeiten nach Belieben verbessern. Tatsächlich stellen diese natürlichen Vermögen sinnvolle Anpassungen dar, wie sie sich im Verlauf der Evolution herausgebildet haben, häufig auch Kompromisse, die aus den gegensätzlichen Anforderungen an ein komplexes Lebewesen wie den Menschen resultieren. Wollen wir die Proportionen dieser Funktionen verschieben, dann kostet dies immer einen hohen Preis. Ich will dafür nun einige Beispiele nennen.
Kognitive Fähigkeiten
Beginnen wir mit dem kognitiven ‘Enhancement’, also der Steigerung von Aufmerksamkeits-, Lern- und Gedächtnisleistungen, wie sie bereits jetzt durch Psychostimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin) oder Amphetamine möglich ist – in Zukunft vielleicht durch Gen- oder Neurotechnologien verschiedenster Art. Allerdings würde nur eine allgemeine Steigerung der menschlichen Kognitionsleistungen das Problem der Ungerechtigkeit vermeiden, das sich bei einem individuellem ‘Enhancement’ sofort stellen würde. Denn hier hätten wir es wie beim Doping im Sport mit einer unfairen Übervorteilung zu tun, die in der Regel auch noch den ohnehin Privilegierten und Reichen zugänglich wäre. Viele scheinbaren Vorteile des ‘Enhancement’ wären freilich rasch hinfällig, wenn die Verbesserung jedem zugutekäme, also in der Konkurrenz keinen Vorsprung mehr brächte. Fragen wir uns dennoch: Wäre denn eine generelle Steigerung der genannten Fähigkeiten wirklich wünschenswert?
a) Die Erhöhung von Aufmerksamkeitsleistungen scheint auf den ersten Blick ein unbestreitbarer Vorteil zu sein, wenn es um Lerngeschwindigkeit oder die berufliche Leistungsfähigkeit geht. Doch Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut, um das viele Reize und mögliche Gegenstände konkurrieren. Eine übermäßige Fokussierung muss notwendig zur Ausblendung anderer, möglicherweise ebenfalls relevanter Gegenstände der Aufmerksamkeit führen. So berichten Probanden und Patienten unter der Einnahme von Ritalin, einem Psychostimulans zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefiziten, dass die erhöhte Fixierung auf die jeweilige Aufgabe alles andere zweitrangig werden lässt. Auch das Bedürfnis nach zwischenmenschlichen Beziehungen und das Interesse an neuen Erfahrungen sind reduziert, Spontaneität und Kreativität nehmen ab.[9]
Eine erhöhte Fokussierungsfähigkeit mag in bestimmten Situationen zweifellos von Vorteil sein – eine generelle Steigerung der menschlichen Aufmerksamkeitsleistung jedoch hätte einen Verlust an Offenheit, Flexibilität und Beeindruckbarkeit durch Neues zum Preis. Stattdessen würde die ohnehin schon bestehende Spirale von Leistungssteigerung, Beschleunigung und Konkurrenz nur noch weiter vorangetrieben. Wollen wir also immer besser funktionieren, immer kompetitiver werden – oder aber beweglicher, offener und kreativer bleiben? Wir haben es mit einem typischen Optimierungskonflikt zu tun, der, wie wir sehen werden, letztlich auch alle anderen vermeintlichen Verbesserungen charakterisiert.
b) Analog verhält es sich nämlich z. B. mit der Steigerung der Gedächtnisleistung. Sich vieles oder alles merken zu können, erscheint als ein selbstverständlicher Gewinn, und vielfach ist es das auch. Doch gerät dabei leicht die lebenswichtige Balance zwischen Erinnern und Vergessen aus dem Blick. Das Vergessen nämlich entlastet das Gedächtnis von einer Überfülle an Details, sodass die wirklich bedeutsamen Erinnerungen überhaupt erst hervortreten können. Nur durch Vergessen erhält unser Geist auch die Möglichkeit zur Erneuerung, die Fähigkeit, die Welt immer wieder mit frischem Blick zu sehen. Darauf hatte bereits William James aufmerksam gemacht:
„Die Selektion ist der Kiel, auf den unser geistiges Schiff gebaut ist. Und im Fall des Gedächtnisses ist ihr Nutzen offensichtlich. Wenn wir uns an alles erinnern würden, ginge es uns in den meisten Fällen genauso schlecht, wie wenn wir uns an nichts erinnern würden.“[10]
Die Bedeutung dieser Balance lässt sich anhand einer seltenen Anomalie erkennen, nämlich der Hyperthymesie. Menschen mit diesem Syndrom können zwar mithilfe ihres extremen Gedächtnisses jeden Tag ihres Lebens minutiös nachzeichnen. Doch sind sie zugleich auch einem ständigen Kreuzfeuer von meist belanglosen Erinnerungen ausgesetzt, die sie nicht unterdrücken können. So schreibt die Hypermnestikerin Jill Price in ihrer Autobiographie:
„Pausenlos tauchen irgendwelche Erinnerungen auf, als hätte ich eine Leinwand in meinem Kopf, auf der zufällig zusammengefügte Szenen aus meinem Leben ablaufen – ein wirrer Film, der völlig unkontrollierbar zwischen verschiedenen Tagen und Jahren, zwischen guten und schlechten Erfahrungen […] hin und her springt.“[11]
Wir sehen: Es ist gerade das Charakteristikum unseres Gedächtnisses, dass es ein sinnvolles Gleichgewicht zwischen Erinnern und Vergessen herstellt – ein Gleichgewicht, das wir nicht ohne Risiko beseitigen können.
Stimmung und Glück
Gehen wir von den kognitiven Fähigkeiten weiter zur Verbesserung der Stimmung. Wer wollte es den Menschen verübeln, wenn sie angesichts der Mühsal und der Frustrationen des Lebens ihrem Glückserleben pharmakologisch oder technologisch nachhelfen wollten? – Doch Wohlbefinden, Zufriedenheit und Glück sind gewissermaßen die Belohnungen, die die Natur für uns vorgesehen hat, der Ertrag von Mühe und Anstrengung, und sie stehen in der Regel durchaus im Verhältnis zum investierten Aufwand. Bergwanderer kennen die deutlichen Unterschiede im Glückserleben, wenn sie einen Gipfel selbst bestiegen haben oder aber sich mit der Seilbahn hinaufahren lassen. Jede intensivere Lebensfreude ist die Frucht des Erreichens von realen Zielen, und sie ist meist proportional zu den Widerständen auf dem Weg dahin.[12]
Würden Wohlbefinden und Glück nun gewissermaßen gratis auf einem dauerhaft hohen Pegel gehalten, so würde nicht nur das menschliche Streben nach Selbstentwicklung und Selbstüberschreitung erlahmen. Das Glückserleben würde auch abflachen, da es eben ‚unverdient‘ und nicht als befriedigendes Resultat eigener Anstrengung zustande käme. Zugleich nähme die Frustrationstoleranz ab, da die Überwindung von Widerständen und Rückschlägen nicht mehr in gleichem Maß eingeübt würde. Tatsächliche individuelle und gesellschaftliche Missstände hingegen würden im Zuge des inflationären Wohlbefindens gleichgültig hingenommen, anstatt gegen sie anzukämpfen.
All dies ähnelt ziemlich genau den psychischen Veränderungen, die sich auch bei Drogenkonsumenten im Langzeitverlauf beobachten lassen. Denken wir schließlich noch an Huxley’s Brave New World (1932)[13], in der die allgemeine Einnahme der stimmungsaufhellenden Droge „Soma“ der seichten Luststeigerung und zugleich Ruhigstellung der Bevölkerung dient: Ein solches ‘Enhancement’ erscheint wenig erstrebenswert, selbst wenn die allgemeine Luststeigerung eine freiwillige, nicht eine staatlich verordnete Maßnahme wäre.
Bereits diese Beispiele machen deutlich, dass eine Umgestaltung der menschlichen Natur immer mit einem hohen Preis einhergeht, und zwar ein Preis, der mit der gleichen Münze zu zahlen ist, die man scheinbar gewonnen hat. Das gilt selbst noch für die ultimative transhumanistische Vision, nämlich die Überwindung von Altern und Tod.
Altern und Tod
Die Fortschritte der Bio-Gerontologie, insbesondere die Entdeckung von Genen, die den Alterungsprozess steuern, haben den Hoffnungen Auftrieb gegeben, das Altern des Körpers anzuhalten und die Lebenszeit immer weiter auszudehnen, ja womöglich Unsterblichkeit zu erlangen. „Das größte aller Übel abzuschaffen: den Tod“, forderte Max More,[14] einer der Begründer der transhumanistischen Bewegung. Gegen den Einwand, es könnte uns angesichts der Ewigkeit letztendlich doch langweilig werden, führen die Transhumanisten Nick Bostrom und Rebecca Roache viele Projekte auf, die sich in der begrenzten menschlichen Lebenszeit nun einmal nicht realisieren lassen, etwa das Erlernen aller Musikinstrumente eines Orchesters, das Schreiben eines Buches in jeder wichtigen Sprache oder eine Reise zum Stern Alpha Centauri. Wenn wir aber „von frühem Alter an vernünftigerweise erwarten könnten, unbegrenzt zu leben, könnten wir Projekte verfolgen, die dazu bestimmt sind, uns für hunderte oder tausende Jahre zu beschäftigen“[15] Doch die Unsterblichkeit ist eine widersprüchliche Vorstellung, denn näher besehen gehört der Tod zum Leben wie die Nacht zum Tag. Das gilt bereits auf der biologischen Ebene. Lebewesen sind grundsätzlich in einer prekären Lage, denn sie müssen sich und ihre innere Homöostase durch Stoffwechsel und Energieaustausch mit der Umwelt aufrechterhalten – gelingt ihnen dies nicht, so sterben sie. Doch gerade diese fortwährende Auseinandersetzung mit dem möglichen Tod bedeutet auch die Selbstbejahung des Lebens; sie ist die primäre Grundlage für alles, was für Lebewesen ein Ziel oder einen Wert darstellen kann. Pointiert gesagt: Ohne die Gefahr des Verhungerns hätten wir auch keinen Appetit. Und auch die verfeinerten Genüsse von Wein oder Austern, aber auch die von Gedichten oder Konzerten können wir nur erleben, weil unser Körper Lust und Leid als Mittel der Selbsterhaltung hervorbringt. Mangel und Befriedigung, Schmerz und Lust haben ihren letzten Grund darin, dass Leben sich gegen den möglichen Tod behaupten muss. Die Lust am Leben und die Angst vor dem Tod sind nicht voneinander zu trennen.
Das ist die biologische Ausgangslage, sie entspricht aber auch unserer existenziellen Erfahrung. Erst mit dem Bewusstsein des Todes wächst die Wertschätzung des Lebens. Menschen, die dem Tod nahe waren oder an einer todbringenden Erkrankung leiden, empfinden die verbleibende Zeit als umso kostbarer, und ihre Erfahrung der Gegenwart wird intensiver. Was würde es umgekehrt bedeuten, wenn die Lebenszeit nicht mehr begrenzt wäre? Die Erfahrungen von Glück, Intensität und Gegenwart würden verflachen, denn die Farben des Lebens leuchten erst vor dem dunklen Hintergrund des Todes.
Sicherlich würde sich Lust immer noch von Schmerz, Freude von Leid abheben. Doch alle Freuden wären beliebig oft wiederholbar und bereits dadurch entwertet. Die Aussicht, dass nichts mehr endgültig ist, dass sich vielmehr alles bis in Ewigkeit wiederholen wird, würde das Leben all der Kostbarkeit berauben, die das Einmalige, Unwiederbringliche im sterblichen Leben besitzt. In Jorge Louis Borges’ Erzählung „Der Unsterbliche“ entdeckt der Erzähler auf seiner Reise die unsterblichen Troglodyten, gelangt in der Begegnung aber zu der Erkenntnis, dass das endlose Leben die Erstarrung in der ewigen Wiederkehr des Gleichen und damit die äußerste Langeweile bedeutet:
„Alles hat bei den Sterblichen den Wert des Unwiederbringlichen und des Gefährdeten. Bei den Unsterblichen dagegen ist jede Handlung das Echo von anderen, die ihr in der Vergangenheit ohne ersichtlichen Beginn vorangingen. […] Nichts kann nur ein einziges Mal geschehen, nichts ist auf kostbare Weise gebrechlich.“[16]
Mit unendlicher Lebenszeit ist alles wiederholbar und alles wieder rückgängig zu machen. Ich kann heute A statt B tun, aber es bleibt ohne Ernst und Dringlichkeit, denn beim nächsten Mal könnte ich wieder umgekehrt entscheiden. Nichts würde uns mehr drängen, die Zeit unseres Lebens zu nutzen, Pläne noch zu verwirklichen, ja zu uns selbst zu finden. Das Leben würde dahinplätschern, immer weiter, ohne Ende, aber auch ohne Ziel.
Man mag einwenden, dass es ja schon genüge, anstelle der Unsterblichkeit wenigstens die Lebensdauer auf zwei- oder dreihundert Jahre zu erhöhen. Wie viel mehr Möglichkeiten ließen sich dann verwirklichen, welche Begabungen nutzen, welche Projekte realisieren! Doch vergisst man dabei, dass eine solche Erweiterung zwar hochwillkommen erscheinen mag, aber doch nur aus der Perspektive unserer jetzigen Lebenserwartung. Wenn das menschliche Leben erst einmal durchschnittlich 300 Jahre lang ist, wird sich das Bewusstsein der neuen Zeitspanne anpassen und sie als ebenso begrenzt empfinden wie wir heute unsere 80 oder 90 Jahre Lebensdauer (dabei haben wir bereits die doppelte Lebenserwartung unserer Vorfahren!). Und ist es wirklich so, dass der Wert von Erfahrungen und der Verwirklichung von Projekten in ihrer immer weiteren Aufsummierung liegt? Besteht das Gelingen des menschlichen Lebens in der Quantität der erzielten Glückserlebnisse? Es gilt wohl eher das Gegenteil: Das Bestreben, den Ertrag des eigenen Lebens immer weiter zu maximieren, das Optimale aus ihm herauszuholen, steigert im Allgemeinen nur die Unzufriedenheit und führt nicht zu einem gelingenden Leben.
Aber noch etwas anderes kommt hinzu: Jede Verlängerung des Lebens, erst recht die Unsterblichkeit würde das Gleichgewicht zwischen den Generationen zuungunsten der Nachkommen aufheben. Die Probleme der Überalterung und der Übervölkerung der Erde sind bereits jetzt offensichtlich – man stelle sich vor, wie die Ausbeutung ihrer Ressourcen durch mehrhundertjährige oder unsterbliche Menschen noch potenziert würde. Um die Überbevölkerung zu begrenzen, müsste daher die Unsterblichkeit der Lebenden mit der Verhinderung von neuem Leben erkauft werden, das heißt, mit dem Verlust von Jugend und Erneuerung.
Die Mortalität ist letztlich die Voraussetzung der Natalität, der „Gebürtlichkeit“ des Menschen, wie Hannah Arendt[17] es genannt hat. Natalität ist für sie die Quelle des Neuen, der Verheißung und der Zukunft; sie bedeutet, die Welt immer wieder mit neuen Augen sehen und sich frei entscheiden zu können, ohne von einer übermächtigen Vergangenheit determiniert zu sein. Doch dieser Neuanfang, den jedes Zur-Welt-Kommen eines kleinen Kindes bedeutet, ist letztlich nur möglich, wenn die Älteren diese Welt wieder verlassen. Die jüngeren Generationen hätten sonst niemals Raum für ihre eigene Blütezeit; sie würden nie von der Gerontokratie der Altvorderen befreit.
Memento mori: Der Tod ist noch immer die wirksamste Einschränkung unserer Neigung zur Egozentrik und zum Narzissmus. Wir geben das Leben an andere weiter und sorgen für ihre Zukunft, nicht nur für unsere eigene. Wenn unser Streben nicht vom Willen beseelt ist, den Kindern und Enkeln eine bessere Welt zu hinterlassen, kreist es um sich selbst und wird richtungslos. Wären die Menschen aber unsterblich, so würde die Menschheit immer weiter altern, in ihren einmal eingewohnten Lebensformen erstarren und schließlich, in der Wiederholung des Immergleichen, einer alles überschattenden Müdigkeit erliegen.
Halten wir uns all dies realistisch vor Augen, dürfte die Utopie der Unsterblichkeit wohl doch an Attraktivität verlieren. Zweifellos stellt die Endlichkeit die größte Bürde der menschlichen Existenz dar. Sie ist aber, näher besehen, auch die Voraussetzung ihres Sinns, ihrer Ernsthaftigkeit und ihrer Würde. Der Wunsch, den Tod zu überwinden, wird die Menschheit wohl immer begleiten; uns mit der Endlichkeit zu versöhnen, mag uns aber leichter fallen, wenn wir uns die Konsequenzen einer biologischen Unsterblichkeit vor Augen führen.
2. Die Widersprüchlichkeit des Posthumanismus
Die Aussichten auf eine biologische Selbstverbesserung des Menschen erscheinen nach den bisherigen Überlegungen nicht gerade günstig. Jede denkbare Optimierung gerät bei Licht besehen sehr rasch in Zielkonflikte, die in der Evolution zum Menschen offenbar doch in einen gewissen Ausgleich gebracht worden sind. Man mag sich vorübergehende Verschiebungen dieser Balancen zugunsten jeweils einer Seite vorstellen, doch jede dauerhafte Umgewichtung muss unweigerlich in gravierende Nachteile umschlagen. Selbst der Tod, vermeintlich das „größte aller Übel“, lässt sich aus dem Leben nicht wegdenken, ohne dessen Wert und Sinn in Frage zu stellen.
Hinzu kommt, dass jede biotechnologische Perfektionierung menschlicher Eigenschaften die Sicht des Menschen als einer Maschine fördern würde, die sich manipulieren und optimieren lässt. Individuelle Mängel und kollektive Missstände würden zunehmend als Defekte der menschlichen Natur interpretiert, der gewissermaßen technologisch nachgeholfen werden muss. Die Überholung eines fehlerhaften Produkts träte an die Stelle persönlicher Entwicklung. Damit arbeiten die transhumanistischen Utopien gerade den Bestrebungen entgegen, die den Gedanken einer Verbesserung der menschlichen Welt bislang getragen hatten – den Bemühungen um gesellschaftliche, kulturelle und moralische Fortschritte, die auf individuellen und kollektiven Anstrengungen beruhen; Fortschritte, die sich nicht durch technischen Umbau des Menschen erreichen lassen, sondern durch Selbstbildung, Selbstentwicklung und eine sinnvolle Gestaltung der gemeinsamen Welt.
Doch ist die Idee des Transhumanismus noch in einem grundlegenderen Sinn selbstwidersprüchlich. Der Wunsch nach Verbesserung der menschlichen Natur geht immer noch von dieser Natur aus. Ihre radikale Umgestaltung würde jedoch zu einer neuen, posthumanen Art führen, für deren ‚Optimalität‘ wir gar keine Maßstäbe mehr haben. Transhumanisten verkünden häufig, dass wir uns von den Möglichkeiten dieses neuen Menschen gar keine Vorstellungen machen könnten:
„So mag es uns Menschen an der Fähigkeit mangeln, ein realistisches und anschauliches Verständnis davon zu entwickeln, wie es wäre, ein radikal verbesserter Mensch (ein ‚posthumanes Wesen‘) zu sein.“[18]
Doch dann kann dieser neue Mensch, der Homo optimus, gar kein sinnvolles Ziel für uns sein – denn es gäbe uns dann nicht mehr. Die Idee, wir sollten uns in posthumane Wesen umwandeln, beruht auf Werten, Wünschen oder Hoffnungen, die zu diesen Wesen gar nicht mehr passen, denn sie hätten ganz andere Werte und Wünsche.
„Beim Nachdenken über die Möglichkeit und die psychologischen Eigenschaften von Wesen, die auf posthumane Weise glücklich sind, müssen wir von den kontingenten Merkmalen der menschlichen Psyche absehen.“[19]
Doch dann wissen wir nicht mehr, was das Gute oder das ‚Beste‘ eigentlich sein soll, das eine Optimierung noch anstreben könnte. Das Hervorbringen posthumaner Wesen kann dann nur noch durch den paradoxen Wunsch motiviert sein, Homo sapiens zu eliminieren und Raum für eine neue Spezies zu schaffen. Die Abschaffung des Menschen durch den Menschen ist aber, wie bereits C. S. Lewis feststellte, ein widersinniges Unterfangen. Es wäre dann „das Wesen, das daraus Gewinn ziehen soll, und jenes, das geopfert wird, ein und dasselbe“[20].
Resümee
Die vermeintlich menschenheitsbeglückende Vision des Transhumanismus ist nichts anderes als eine Dystopie. Eine Vervollkommnung des Menschen kann sich nur in kultureller und ethischer Hinsicht vollziehen – so wie es die Aufklärung eigentlich im Sinn hatte. Doch mit dem Scheitern der großen Utopien im 20. Jahrhundert und dem Aufstieg medizinischer und digitaler Technologien hat sich die Idee ausgebreitet, das irdische Glück auf viel banalerem, technischem Weg herzustellen, den Menschen kurzerhand in ein glückliches, womöglich unsterbliches Wesen umzuformen. Die trans- und posthumanistischen Utopien wollen die Conditio humana nicht mehr anerkennen, sich mit den Grenzen und Widersprüchen der menschlichen Natur nicht mehr abfinden. Einer der Begründer des Posthumanismus, Robert Ettinger, formulierte dies in aller Radikalität:
„Die Menschheit ist somit selbst eine Krankheit, und wir müssen jetzt daran gehen, uns von ihr zu heilen. […] Dazu muss zuerst gezeigt werden, dass Homo sapiens nur ein stümperhafter Anfang ist.“[21]
Doch die Abschaffung des Menschen durch den Menschen ist ein widersinniges Unterfangen. Denn es sind gerade die leiblichen Bedingungen unserer Existenz, die uns die elementaren Werte überhaupt erst vorgeben: Geburt, Hunger, Durst, Schmerz, Lust und Tod. Leben ist besser als Nicht-Leben, Nahrung besser als Hunger, Nähe besser als Ablehnung, Liebe besser als Hass. Das primär Gute finden wir vor, weil es unsem Leben schon innewohnt, wir wählen es nicht nach freiem Belieben. Ohne eine Verankerung unserer Wünsche und Werte in einer menschlichen Natur würden wir den Orientierungsrahmen verlieren, der unserem Leben überhaupt Bedeutsamkeit und Sinn verleiht. Wir könnten nicht mehr sagen, was das Gute eigentlich ist. Damit wäre aber zugleich der Begriff der Optimierung sinnlos geworden. Es gäbe gleichsam keinen archimedischen Punkt mehr, an dem man die posthumane Welt noch befestigen könnte.
Es gilt also, unsere Leiblichkeit ebenso wie unsere leibliche Natur gegen ihre Herabsetzung, Entwertung oder Überwindung zu verteidigen. Sie gibt sicher nicht selbst vor, was für uns das gelingende, das gute Leben sein kann; aber sie gibt uns bessere Anhaltspunkte dafür als alles technisch induzierte Glück. Geben wir uns daher mit der Conditio Humana zufrieden. Sie ist vielleicht nicht das Beste, aber sicher auch nicht das Schlechteste, was uns geschehen konnte.
Anschrift des Autors:
Univ.-Prof. DDr. Thomas Fuchs
Karl-Jaspers-Professor für Philosophie und Psychiatrie
Psychiatrische Universitätsklinik
Voßstr. 4, D-69115 Heidelberg
thomas.fuchs(at)urz.uni-heidelberg.de
- Dostojewski F., Aufzeichnungen aus dem Kellerloch, Erstausgabe 1864, Übers. von S. Geier, Fischer, Frankfurt/M. (2006), S. 146.
- Überarbeitete und gekürzte Fassung eines Aufsatzes mit dem Titel „Jenseits des Menschen? Kritik des Transhumanismus“, erschienen in: Fuchs T., Verteidigung des Menschen. Grundfragen einer verkörperten Anthropologie, Suhrkamp Verlag, Berlin (2020), S. 71-118.
- Kurzweil R., The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology, Penguin Press, New York (2005); Bostrom N., Die Zukunft der Menschheit. Aufsätze, Suhrkamp, Berlin (2018).
- Pearson I., zit. nach Griffiths S., Is Technology Causing Us to ›Evolve‹ into a New SPECIES? Daily Mail, 2.2.2016, www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-3423063/Is-technology-causing-evolve-new-SPECIES-Expert-believes-super-humanscalled-Homo-optimus-talk-machines-digitally-immortal-2050.html.
- Bostrom N., Transhumanist Values, Journal of Philosophical Research (2005); 30 (Supplement): 3-14.
- Kurzweil R., Homo s@piens. Leben im 21. Jahrhundert. Was bleibt vom Menschen? Kiepenheuer & Witsch, Köln (1999).
- Siehe zu einer ausführlichen Begründung: Fuchs T., Das Gehirn – ein Beziehungsorgan. Eine phänomenologisch-ökologische Konzeption, 6. Aufl., Kohlhammer, Stuttgart (2021).
- Die biologische Ausstattung des Menschen ermöglicht zweifellos eine vielfältige Ausformung und Kultivierung des Körpers ebenso wie der menschlichen Fähigkeiten und Funktionen; dies ist insbesondere in der einzigartigen Plastizität des Gehirns begründet. Insofern ist die Natur des Menschen nicht ohne ihre grundlegende Offenheit und ihre Verschränkung mit der Kulturentwicklung zu denken. Dennoch ist es berechtigt, von einer biologischen Natur von Homo sapiens sapiens zu sprechen, die über die letzten 100.000 Jahre weitestgehend konstant geblieben ist. Dieser Begriff von Natur ist im Folgenden auch gemeint, wenn es um mögliche ‚Verbesserungen‘ der menschlichen Natur geht – was immer solche Verbesserungen überhaupt sein könnten.
- Vgl. dazu Swartwood M. O., Swartwood J. N., Farrell J., Stimulant Treatment of ADHD: Effects on Creativity and Flexibility in Problem Solving, Creativity Research Journal (2003); 15(4): 417-419; Mohamed A. D., Reducing Creativity with Psychostimulants May Debilitate Mental Health and Well-being, Journal of Creativity in Mental Health (2014); 9(1):146-163; Fallon S. J., van der Schaaf M. E., Ter Huurne N., Cools R., The Neurocognitive Cost of Enhancing Cognition with Methylphenidate: Improved Distractor Resistance but Impaired Updating, Journal of Cognitive Neuroscience (2017) 29(4): 652-663; Gvirts H. Z., Mayseless N., Segev A., Lewis D. Y., Feffer K., Barnea Y., Bloch Y., Shamay-Tsoory S. G., Novelty-seeking Trait Predicts the Effect of Methylphenidate on Creativity, Journal of Psychopharmacology (2017); 31 (5): S. 599-605.
- James W., The Principles of Psychology, Bd. 1, Erstausgabe 1890, Dover, New York (1950), S. 680.
- Price J., Die Frau, die nichts vergessen kann. Leben mit einem einzigartigen Gedächtnis, Kreuz, Freiburg (2009), S. 32
- Die für die Erfahrung von Befriedigung und Glück relevanten Zentren im Gehirn (limbisches System, Nucleus accumbens) heißen nicht zufällig ‚Belohnungssysteme‘. Das Verlangen und die Aussicht auf Belohnung sind neurobiologisch gesehen für die Handlungsmotivation, für Neugier und Erfolgsstreben von zentraler Bedeutung. Freilich ist damit das menschliche Streben nicht hinreichend erklärt; es wäre grotesk anzunehmen, es sei Beethoven, van Gogh oder Kafka in erster Linie darum gegangen, sich durch ihr Werk Wohlbefinden oder Lust zu verschaffen. Da die Botenstoffe des Belohnungssystems (Dopamin, Endorphine) allerdings auch dann ausgeschüttet werden, wenn ein Mensch z. B. Drogen konsumiert oder sich dem Glücksspiel hingibt, kann statt einer gesunden Handlungsmotivation auch eine Sucht entstehen. Das Lustgefühl wird dann direkt gesucht, nicht mehr auf dem Weg der Überwindung von realen Widerständen.
- Huxley A., Brave New World, Chatto & Windus, London (1932)
- More M. Transhumanism: Towards a Futurist Philosophy, Extropy (1990); 6:6-12, hier S. 10.
- Bostrom N., Roache R., Ethical Issues in Human Enhancement, in: Ryberg J., Petersen T. S., Wolf C. (Hrsg.), New Waves in Applied Ethics, Palgrave-Macmillan, Basingstoke (2007), S. 120-152, S. 126.
- Borges J. L. Der Unsterbliche, in: Ders., Das Aleph. Gesammelte Werke 3/II. Erzählungen 2, Hanser, München/Wien (1981), S. 7-23, hier S. 20.
- Arendt H., Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft, Piper, München/Zürich (1986).
- Bostrom N., siehe Ref. 4, hier S. 4 f.
- Bostrom N., siehe Ref. 3, S. 165.
- Lewis C. S., Die Abschaffung des Menschen, übers. von M. Gisi, Vorwort von H. U. von Balthasar, Johannes Verlag, Einsiedeln (Erstausgabe 1943), (2007), S. 43
- Ettinger R. C., Man into Superman, Avon, New York (1989), S. 4, S. 8.
